Wie soll der Staat die Ehe definieren, wenn nicht wie Kant als Vertrag (auf die exklusive Nutzung der Geschlechtseigenschaft,...)? Der Staat kennt Rechte und Pflichten, nicht Moral und Liebe.
Ich mochte Roger Scruton und vor allem seine Thesen vom Eigenwert der Schönheit unabhängig ihres Nutzens.
Das Buch ist unerschwinglich. Da müssen die Lettern mit Gold gemalt sein
God, Goodness and Philosophy (The British …
KI-Übersetzung (wer lieber Deutsch liest)
Rezension zu: Harriet A. Harris (Hrsg.): God, Goodness and Philosophy, Ashgate: Surrey 2011. Erschienen in: ANTONIANUM Periodico Trimestre, 2/2013, S. 501–505
Der vorliegende Sammelband geht auf eine Konferenz zurück, die 2009 in Oxford unter der Schirmherrschaft der British Society for the Philosophy of Religion (BSPR) unter dem Titel „God and Morality“ stattfand. Das Buch gliedert sich in zwei Teile. Der erste Teil behandelt „die Beziehung zwischen unserem moralischen Empfinden und einer transzendenten Ursache“, während der zweite Teil „das Wesen der göttlichen Güte sowie deren Vereinbarkeit mit anderen göttlichen Eigenschaften und mit der von Gott geschaffenen Welt“ untersucht (S. 9). Im Folgenden werde ich mich ausschließlich auf die Beiträge des ersten Teils beziehen, da ich diese für die gegenwärtige philosophische und öffentliche Debatte als besonders relevant erachte.
Eine verbreitete Auffassung des Verhältnisses zwischen Gott und Moral – insbesondere im angelsächsischen Raum – besteht darin, anzunehmen, dass einige oder sogar alle moralischen Gebote auf göttlichen Befehlen beruhen. Solche sogenannten Theorien des göttlichen Gebots (Divine Command Theories, DCT) stehen jedoch vor einem Problem, das als Euthyphron-Dilemma bekannt ist und auf Platons Dialog Euthyphron zurückgeht. Es lautet: Ist etwas gut, weil Gott es will, oder will Gott es, weil es gut ist? Wird die erste Alternative bejaht, scheint das Gute willkürlich zu sein. Wird die zweite bejaht, scheint Gott einer bereits bestehenden moralischen Ordnung untergeordnet zu sein; in diesem Fall wäre Gott für die Begründung moralischer Werte nicht mehr notwendig. Die Beiträge dieses Bandes zeigen jedoch, dass die Problematik wesentlich komplexer ist.
Timothy Chappell weist zunächst darauf hin, dass die heute geläufige Form des Euthyphron-Dilemmas bei Platon gar nicht vorkommt. Im Dialog fragt Sokrates vielmehr: „Wird das Heilige von den Göttern geliebt, weil es heilig ist, oder ist es heilig, weil es von den Göttern geliebt wird?“ (10a1–2). Außerdem argumentiert Chappell, dass das sogenannte Dilemma im strengen Sinn gar keines sei, da Theisten eine der beiden Alternativen plausibel wählen oder – wie etwa Anders Kraal – beide zurückweisen könnten.
Im weiteren Verlauf untersucht Chappell die Haltung des Sokrates gegenüber dem Göttlichen. Häufig wird Sokrates als Denker dargestellt, der übernatürliche Einflüsse zugunsten der Vernunft zurückweist. Chappell zeigt dagegen, dass Platon Sokrates als jemanden beschreibt, der sich durchaus von göttlicher Führung geleitet weiß. Sokrates versteht sich als von Gott beauftragt und schenkt Träumen, Visionen und inneren Stimmen Beachtung. Seine Kritik an der mangelnden Rationalität solcher Eingebungen soll diese Phänomene daher nicht verwerfen, sondern vielmehr einen Rahmen schaffen, in dem göttliche Gebote akzeptabel werden, indem ein ethischer Monotheismus gegenüber einem chaotischen Polytheismus bevorzugt wird.
Jaco Gericke stellt die verbreitete Auffassung infrage, die Hebräische Bibel lasse sich eindeutig der Theorie des göttlichen Gebots zuordnen. Zwar finden sich Beispiele wie die Opferung Isaaks oder die Übergabe der Zehn Gebote, die eine solche Interpretation nahelegen. Gleichzeitig enthält die Bibel jedoch zahlreiche Gegenbeispiele. So gibt es Hinweise auf eine eigenständige moralische Ordnung, anhand derer sogar das Handeln Gottes beurteilt wird (vgl. Ps 44 und Ps 89). Insgesamt vermittelt die Hebräische Bibel den Eindruck, dass Gott moralische Gebote eher vermittelt als erschafft. Sein Wille spiegelt die moralische Ordnung wider, und sein Wesen verkörpert das Gute, anstatt es erst zu definieren. Das Euthyphron-Dilemma stellte sich den alten Hebräern daher gar nicht, weil sie das Verhältnis zwischen Gott und Moral vor allem erkenntnistheoretisch verstanden: Gott galt als moralischer Lehrer und Wegweiser, ohne den der Mensch den Weg zu einem gerechten Leben nicht finden könne.
Anders Kraal verteidigt Lösungsversuche, die sich auf die Lehre von der göttlichen Einfachheit stützen. Nach Augustinus, Thomas von Aquin und vielen anderen ist Gott einfach und nicht aus verschiedenen Bestandteilen zusammengesetzt. Seine Güte gehört daher notwendig zu seinem Wesen. Das Gute ist weder unabhängig von Gottes Willen noch bloß deshalb gut, weil Gott es will. Wenn Gott und Güte identisch sind, können göttliche Gebote nicht willkürlich sein. Kraal setzt sich dabei mit Alvin Plantingas Einwand auseinander, wonach Gott, wenn er mit allen seinen Eigenschaften identisch sei, letztlich selbst nur eine Eigenschaft wäre. Mit einer formallogischen Argumentation zeigt Kraal jedoch, dass Plantingas Schlussfolgerung innerhalb der Standardlogik erster Stufe nicht haltbar ist und sein Einwand deshalb fehlschlägt.
John Cottingham unterscheidet drei grundlegende Erklärungsmodelle der Güte. Naturalisten reduzieren Güte auf natürliche beziehungsweise physische Eigenschaften. Antinaturalisten verstehen Güte als eigenständige, nicht reduzierbare Eigenschaft. Supernaturalisten schließlich sehen Gott als transzendente Quelle des Guten. Cottingham räumt ein, dass die Behauptung, Güte gehe von Gott aus, der selbst gut sei, das Wesen der Güte nicht vollständig erklärt und zu einem Erklärungszirkel führen kann. Dennoch hält er diese Auffassung für die überzeugendste Erklärung unseres moralischen Pflichtbewusstseins. Wenn Gott seinem Wesen nach barmherzig, gerecht und liebend ist, dann nähern sich Menschen Gott an, wenn sie entsprechend handeln. Solches Handeln besitzt deshalb höchste moralische Verbindlichkeit; wer sich dagegen entscheidet, entfernt sich zugleich von seinem eigentlichen Ziel sowie von der Quelle von Sinn und Freude.
Roger Scruton sieht den grundlegenden Zusammenhang zwischen Religion und Moral in den heute weitgehend vergessenen Begriffen der Frömmigkeit und Gottlosigkeit, des Heiligen und Entweihenden sowie des Reinen und Unreinen. Die moderne Moral- und politische Philosophie, die sich vor allem auf Gleichheit, Autonomie und Rechte konzentriert, könne diese Erfahrungen nicht angemessen erklären. Versteht man beispielsweise die Ehe lediglich als Vertrag auf Grundlage gegenseitiger Zustimmung, verliert ihr heiliger Charakter seine Bedeutung. Evolutionspsychologie und Soziologie könnten zwar erklären, warum moralische Erfahrungen einen Überlebensvorteil boten, nicht aber, weshalb sie erkenntnistheoretisch verlässlich sein sollten. Für Scruton gehört es deshalb zu den wichtigsten Aufgaben der Religionsphilosophie zu zeigen, dass moralische Erfahrung eines transzendenten Grundes bedarf. Für den Gläubigen sei die Möglichkeit, moralische Erfahrungen nur mithilfe von Begriffen wie „heilig“ oder „sakrilegisch“ sinnvoll zu verstehen, einer der deutlichsten Hinweise auf Gott.
Zwei Beiträge befassen sich mit der Erklärungskraft der Evolutionstheorie für die Moral. Robin Attfield argumentiert, dass Evolution altruistisches Verhalten keineswegs ausschließt. Er plädiert für ein nichtdeterministisches Verständnis von Kausalität, wonach Ursachen lediglich Tendenzen darstellen, die durch andere Faktoren beeinflusst werden können. Selbst wenn unsere Gene bestimmte Verhaltensweisen begünstigen, erzwingen sie diese nicht. Freundlichkeit, Mitgefühl und soziale Einflüsse können eingreifen. Außerdem kann selbstloses Verhalten langfristig indirekte Vorteile für das Überleben einer Gemeinschaft schaffen. Schließlich erinnert Attfield daran, dass die Evolutionstheorie menschliches Verhalten keineswegs vollständig erklären oder vorhersagen kann und daher Raum für weitere Faktoren wie soziale Entwicklung lässt.
Herman Philipse richtet sich gegen einen starken metaethischen Realismus, der moralische Wahrheiten unabhängig vom menschlichen Wohlergehen annimmt. Wenn sich unsere moralischen Überzeugungen im Verlauf der Evolution als Anpassungen entwickelt haben, könnten sie den angeblich unabhängigen moralischen Wahrheiten sogar vollständig verfehlen. Solche zeitlosen moralischen Wahrheiten besäßen dann selbst keine Erklärungskraft und müssten ihrerseits erklärt werden. Philipse entwickelt deshalb – in Anlehnung an David Copp – eine gesellschaftsbezogene Form des metaethischen Realismus. Danach ist eine moralische Überzeugung dann wahr, wenn sie einer Gesellschaft am besten hilft, ihre Bedürfnisse zu erfüllen und ihr Wohlergehen zu fördern. Anpassungen, die das soziale Wohl und damit zugleich die evolutionäre Fitness erhöhen, nähern sich nach dieser „These der adaptiven Wahrheit“ zugleich der moralischen Wahrheit an.
Alle Beiträge des Bandes stellen wertvolle Bereicherungen der Debatte über das Verhältnis von Religion und Moral dar. Die behandelten Fragen sind zu komplex, um endgültige Antworten zu erlauben. Dennoch greifen die Autorinnen und Autoren zentrale philosophische und gesellschaftliche Probleme auf und hinterfragen zahlreiche verbreitete Annahmen. Gerade deshalb verdient dieser Sammelband besondere Aufmerksamkeit.
John Cottingham Cottingham argues that objective moral values point beyond themselves toward a transcendent source. Rather than defending a simple Divine Command Theory ("good is whatever God commands"), he suggests that God is the ontological ground of goodness itself.
Roger Scruton argues that a forgotten but nevertheless fundamental link between religion and morals is to be found in the old-fashioned conceptions of piety and impiety, the sacred and the sacrilegious, the pure and the impure. He argues that modern moral and political philosophy, with its focus on the notions of equality, autonomy and rights, cannot make sense of the above-mentioned concepts and their related moral experience. If, for instance, as Scruton argues, the important institution of marriage, which all traditional cultures believe to be sacred, is merely understood in terms of consent and contract, it cannot survive. Thus, there are no good reasons why persons of the same sex or even groups of persons should not enter into such a contract. However, both evolutionary psychology and sociology fall short in explaining our moral experience in terms of piety etc. For these disciplines show at best that moral experience (has) provided a reproductive advantage, while leaving the question of its epistemological relevance and reliability unaltered. Therefore, Scruton regards it as one of the most important tasks for philosophy of religion to demonstrate that our moral experience requires a transcendental ground. At least “for the believer”, Scruton says, “there is no clearer proof of God, than the fact that we can make sense of our moral experience only by employing concepts like those of the pious, the sacrilegious and the sacred, which point beyond this world to its transcendental ground” (120).
Goodness is neither external to God nor created by arbitrary commands. Rather, goodness is identical with God's perfectly good nature.